Tel: 02041-29845     E-Mail: info@hirschfelder-walisko.de

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Kindesunterhalt in Zeiten von Corona – Was man jetzt wissen sollte!

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Die Corona-Krise hat uns unerwartet und auch unvorhergesehen hart getroffen. Die Industrie ächzt unter rückläufigen Produktionszahlen und Absätzen: Der Staat spannt reihenweise Rettungsschirme, um hiesige Unternehmen vor der Pleite zu bewahren.

Doch wer nun glaubt, Deutschland sei nur als Industrienation und Technologiestandort in einer sehr prekären Lage, der hat den Blick auf die Basis unserer Gesellschaft bewusst verschlossen.

Familien und alleinerziehende Elternteile kämpfen derweil um das wirtschaftliche Überleben im ganz kleinen Maßstab – weitab von Aktienpaketen und Dividende.
Kurz: Der Unterhalt der eigenen Familie, ja des eigenen Nachwuchses, steht auf dem Spiel!

Doch was können Eltern jetzt tun, um den Unterhalt ihrer Kinder in Zeiten der Corona-Krise zu stemmen? Welche Möglichkeiten der Hilfestellung bieten Staat und Co.?

Hierzu möchten wir, die Notar- und Rechtsanwaltskanzlei Hirschfelder & Walisko, uns im nachfolgenden Blog-Artikel mit unserem Fachwissen bei Ihnen zu Wort melden und Ihnen Optionen und Hilfestellungen aufzeigen.

Mehr Familienbonus als ersten Anker!
Schnelle und verhältnismäßig unkomplizierte Hilfe für Eltern verspricht § 6 des Bundeskindergeldgesetzes. Dieser wurde erst kürzlich um den zusätzlichen Absatz 3 ergänzt.

Besonders hervorzuheben ist hier gleich der allererste Satz: Es wird „[…] jedes Kind, für das für den Monat September 2020 ein Anspruch auf Kindergeld besteht, für die Monate September und Oktober 2020 jeweils ein Einmalbetrag in Höhe von 150 Euro gezahlt.“

Darüber hinaus regelt der neue Passus, dass „Ein Anspruch in Höhe der Einmalbeträge von insgesamt 300 Euro für das Kalenderjahr 2020 besteht auch für ein Kind, für das nicht für den Monat September 2020, jedoch für mindestens einen anderen Kalendermonat im Kalenderjahr 2020 ein Anspruch auf Kindergeld besteht.“

Dies bezieht sich auf Kinder, welche erst im Laufe des letzten Quartals 2020 geboren werden, oder zwischen Januar und August 2020, etwa wegen Überschreitung der Altersgrenze von 25 Jahren, nicht mehr kindergeldberechtigt sind.

Der Staat sieht somit bereits eine unkomplizierte, weil generelle, Hilfeleistung vor. Aber zugegeben: Die finanzielle Hilfe fällt nicht sehr stark aus, weswegen unterhaltspflichtigen Elternteilen im Falle eines Jobverlustes kaum geholfen ist.

Unterhaltszahlungen in Zeiten von Corona: Was ändert sich bei Jobverlust, Kurzarbeit und Co.?

Beim Kindesunterhalt war schon immer das individuelle Einkommen der Unterhaltszahlers eine der entscheidenden variablen für die Höhe der jeweiligen Unterhaltszahlung.

Ein durch die Corona-Situation bedingter Rückgang der regelmäßigen / durchschnittlichen Einkünfte findet hier also sehr wohl Anrechnung. Die Düsseldorfer Tabelle (Hyperlink: https://www.olg-duesseldorf.nrw.de/infos/Duesseldorfer_Tabelle/Tabelle-2020/Duesseldorfer-Tabelle-2020.pdf) ist hierbei Maßstab für die Höhe der Unterhaltszahlung.

Aus ihr wird ersichtlich, dass der Mindestunterhalt seit 01.01.2020 bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr des Kindes 369 € und zwischen dem siebten und zwölften Lebensjahr 424 € beträgt. Ab dem 13. Lebensjahr steigt die Zuwendung auf 497 € je Kind.

Geändertes Einkommen = Geänderter Unterhaltsbetrag? Was muss ich jetzt tun?
Sie haben die Option, eine Anpassung des Unterhaltstitels aufgrund Ihres Corona-bedingten finanziellen Engpasses geltend zu machen.
Um dies anzubringen, müssen Sie jedoch aktiv tätig werden – eine automatische Anpassung erfolgt nicht. Sie müssen hierbei den Nachweis erbringen, dass sich Ihr Einkommen deutlich und auch dauerhaft verringert hat.
Dies ist zum Beispiel dann nachweislich der Fall, wenn ihr monatlicher Verdienst um zehn Prozent oder mehr gesunken ist.
Von einer Dauerhaftigkeit spricht man dann, wenn der Zeitraum dieser Einkommenskürzung nicht absehbar ist – ein vorrübergehendes und befristetes Kurzarbeitergeld reicht hier in der Regel nicht aus.
Viel mehr kommt es auf die individuelle wirtschaftliche Gesamtsituation des Einzelnen an, welche hier betrachtet werden muss.

Der Unterhaltspflichtige muss nachweisen, dass er oder sie jede nur zumutbare Option einer wirtschaftlichen Tätigkeit ergriffen hat (ggf. sogar durch Neben- und Teilzeitjobs), um den Mindestunterhalt des Kindes stemmen zu können.
Sie sehen: Die Anpassung des Unterhaltstitels ist eine hochindividuelle Einzelfallentscheidung, die so pauschal gar nicht zu beantworten ist. Viele Faktoren und allgemeine Lebensumstände müssen in ihrem Zusammenhang betrachtet werden.
Wir beraten Sie deshalb gerne, ob in Ihrem Fall die Möglichkeit einer Anpassung des Unterhaltstitels möglich wäre.

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